Das gelbe Edelmetall ist bei Investoren mehr denn je gefragt. Obwohl der Goldpreis luftige Höhen erklommen hat, könnten Investitionen auch jetzt noch rentabel sein.
Gold hat sich in den letzten Tagen und Wochen bemerkenswert entwickelt. Denn das gelbe Edelmetall hat einen Rekord nach dem anderen aufgestellt. Der Hauptgrund dafür ist vor allem die starke Nachfrage von Investoren. In den letzten 8 Monaten haben die Nettozuflüsse von Gold-ETFs und ähnlichen physisch hinterlegten Produkten zugenommen. Allein im Juli kamen nach Angaben des Verbandes der Goldindustrie des World Gold Council ca. 165 zusätzliche Tonnen Gold im Wert von etwa 9,6 Milliarden US-Dollar hinzu. Insgesamt beliefen sich die Goldfondsbestände Ende Juli auf 3.780 Tonnen – das höchste Niveau aller Zeiten. Der schwache US-Dollar mag ebenfalls zum Goldrausch beigetragen haben, aber auch der Euro-Goldpreis ist seit Jahresbeginn um fast 30 % gestiegen. Hat der Goldpreis bereits das Ende der Fahnenstange erreicht? Tatsächlich scheint eine weitere Konsolidierung überfällig zu sein, auch wenn der Goldpreis derzeit rund 6 % unter seinem Höchststand gehandelt wird. Auf der anderen Seite gibt es starke Argumente, die für eine mittelfristige Fortsetzung der Goldrallye sprechen.
Gegenwärtig sind die Alternativkosten von Gold niedriger als je zuvor. Tatsächlich befinden sich die Renditen von Staatsanleihen in Höhe von fast 15 Billionen US-Dollar weltweit jetzt im negativen Bereich. Das Zentrum dieser negativen Zinssätze liegt vor allem in Europa. Aber auch in den Vereinigten Staaten sind die Erträge stark gesunken. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA sind auf rund 0,65 % gefallen, 1,07 % niedriger als vor einem Jahr.
Der Goldpreis wird auch durch die enorme Liquidität beeinflusst, mit der die Zentralbanken die Märkte überschwemmen. Mit ihren Käufen von Vermögenswerten senken sie einerseits die Zinsen und erhöhen andererseits die Inflationserwartungen. So hat beispielsweise die US-Notenbank ihre Bilanzsumme in der Corona-Krise seit März von 4,25 Billionen US-Dollar auf fast 7 Billionen US-Dollar Ende Juli erhöht. Im gleichen Zeitraum ist auch die Bilanzsumme der EZB in ähnlicher Weise angestiegen – von 4,75 Billionen Euro auf 6,35 Billionen Euro. Ein Ende dieser Geldschwemme ist nicht in Sicht. Die Frage, ob die Erhöhung der Geldmenge tatsächlich zu Inflation führt, ist nicht wirklich wichtig. Allein die Erwartung eines Preisanstiegs könnte den Goldpreis in die Höhe treiben. In diesem Zusammenhang ist auch zu bedenken, dass das Vertrauen vieler Investoren in das Geldsystem durch die explodierende Staatsverschuldung untergraben wird.
Hinsichtlich der physischen Nachfrage könnte es nach der Abschottung zu einem hohen Nachholbedarf in wichtigen asiatischen Abnehmerländern kommen. In Indien zum Beispiel, dem weltweit zweitgrößten Markt für Goldschmuck nach China, haben pandemiebedingte Beschränkungen zu einem teilweisen Stopp der physischen Verkäufe geführt. Nach Angaben des World Gold Council sank die Nachfrage nach Goldschmuck zwischen April und Juni um 72 % von 167 auf 42 Tonnen. Obwohl die Ungewissheit über die wirtschaftliche Entwicklung viele Inder auch davon abgehalten haben mag, Juweliere zu besuchen, wurden in vielen Fällen Aufträge einfach nur verschoben. Tatsächlich beginnt die Hochzeitssaison in Indien im Herbst, und da spielt der Goldschmuck eine große Rolel.
Selbst auf der Anbieterseite ist derzeit nichts gegen einen weiteren Anstieg des Goldpreises zu sehen. Denn Covid-19 hat auch vor den Bergbauunternehmen nicht Halt gemacht. Laut dem World Gold Council ist die weltweite Goldminenproduktion in der ersten Hälfte des Jahres 2020 um 5 % auf 1.600 Tonnen gesunken. Auch die Goldrecyclingaktivitäten, die insgesamt zwischen 25 und 30 % des jährlichen Goldvorrats ausmachen, sind von der Pandemie betroffen. Das Volumen ging hier in der ersten Jahreshälfte um 5 % zurück.